Kurzmitteilung

Chat mit Nr. 58: Wenigstens schreibe ich mal über meine Gefühle

Nr. 58 und ich sind nach unserem betrunkenen „Gespräch“ also in diesem komischen ungeklärten Status verblieben. Sonntag geht es ihm so schlecht, dass ich das Thema nicht nochmal ansprechen will. Am Montag spüre ich, dass ich mich nicht gut damit fühle, wie das gelaufen ist. Ich frage mich auch, an wie viel und was aus dieser Nacht er sich wohl überhaupt noch erinnern kann. Er war ja schon sehr betrunken. Wie sehr, hat der Sonntag gezeigt, an dem es ihm wirklich irre schlecht ging. So oder so: Bis zum nächsten Wochenende will ich all das nicht im Raum stehen lassen. Also schreibe ich ihm. Gleich am Montag. Erstmal ganz allgemein, bloß als Gesprächseröffnung gedacht:

Hey du schwaches verwundetes Eichhörnchen. Geht’s dir heute wieder besser? 😉

Die Nachricht wird gleich zugestellt und sogar innerhalb von einer Stunde gelesen. Sehr schnell für seine Verhältnisse. Beantwortet wird sie erstmal nicht. Das ist nicht ungewöhnlich bei ihm, also denke ich mir zunächst nichts dabei. Am nächsten Abend jedoch habe ich immer noch nichts von ihm gehört. Hmm… hat er das Antworten bloß verpeilt oder steckt mehr dahinter? Ich hake mal nach:

Hmm… alles ok?

Er liest die Nachricht nach zwei Stunden. Und reagiert nicht. Ok, das ist eindeutig… Da ist wohl jemand eingeschnappt. Oder sowas in der Art. Ich will das klären, insbesondere vor dem Hintergrund, dass ich nicht sicher bin, ob er sich an unser Gespräch vom Samstag noch in Gänze erinnert. Und ich kriege ein wenig Angst, dass ich mit meinen übertrieben verkopften Zweifeln alles kaputt gemacht haben könnte. Also schreibe ich:

Hmm… scheinbar ist nichts ok. Hoffe, du hast mich in dieser Nacht nicht falsch verstanden. Ich bin leider nicht sehr gut darin über Gefühle zu sprechen. Und ich glaube du auch nicht, denn wir haben noch nie nüchtern geredet. Weißt du, ich mag dich sehr gerne und ich möchte mit dir zusammen sein. Ich hab aber eben auch ein bisschen Angst vor der Entfernung und brauche etwas Zeit, um mich darauf einzulassen. Finde wir sollten nüchtern darüber reden. Was denkst du?

Auch jetzt als ich diese Zeilen für den Blog abtippe, bin ich mit den Formulierungen noch äußerst zufrieden. Womit ich jedoch äußerst unzufrieden bin: Ich schreibe ihm diese sehr persönliche Nachricht. Ich bin aufgeregt als ich sie abschicke. Doch die Nachricht wird nicht zugestellt. Und das für lange 20 Stunden. Immer wieder schaue ich nach, ob schon das zweite Häkchen hinter der Nachricht erschienen ist. Immer wieder prüfe ich, ob er schon online war. Das nervt. Und das finde ich irgendwie nach wie vor nicht ok. Zumindest nicht bei einer solchen Nachricht. Jetzt denkt ihr euch vielleicht, dass für eine solche Nachricht WhatsApp ja sowieso nicht der richtige Kanal ist. Und das stimmt! Aber ich wollte nicht bis zum nächsten Wochenende damit warten, um es persönlich zu klären. Und wenn er das Handy ausgeschaltet hat, kann ich ihn nun mal auch nicht anrufen. Also welche Möglichkeit hätte ich sonst schon gehabt?

Irgendwann am nächsten Abend antwortet er dann doch mal. Ich bin nervös als ich die Nachricht öffne:

Doch, doch, bei mir ist alles okay! Mach dir keine Gedanken. Nimm dir so viel Zeit wie du brauchst. Sowas sollten wir, wenn dann, wirklich nur nüchtern besprechen! Deine Meinung dazu finde ich sehr gut.

Alles gut also. Ich bin erleichtert. Und happy. Wir machen gleich noch was für’s Wochenende aus (also für das letzte schon). Ich freue mich, dass wir zumindest auf diesem Weg mal ein bisschen was klären konnten. Und ich bin beruhigt, dass erstmal alles gut ist zwischen uns.

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9 Gedanken zu “Chat mit Nr. 58: Wenigstens schreibe ich mal über meine Gefühle

  1. Ich finde es nicht schlimm zu schreiben. Der Wildfang ist eigentlich ein „ok.“ oder “ Nein.“- Schreiber und das auch sporadisch aber inzwischen können wir richtig lange Gespräche und manchmal auch Diskussionen per Schriftverkehr führen, was mir sehr entgegen kommt, da ich im Schreiben einfach besser bin bzw. eher einmal mehr überlege. 🙈
    Es besteht also vielleicht noch Hoffnung für sein Schreibverhalten aber ich würde das auf jeden Fall mal ansprechen. Genau so wie die Sache mit dem besuchen. 🤔

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    • Hoffnung besteht sowieso immer. 🙂 In Bezug auf sein Schreibverhalten erwarte ich ja noch nicht einmal so viel Änderung. Mir würde sogar schon ausreichen, wenn er sein Handy ein bisschen länger eingeschaltet ließe. Damit ich das Gefühl habe, er wäre zumindest für mich erreichbar. Hab das wie auch die Sache mit dem Besuchen inzwischen schon ein paar Mal angesprochen. Aber glaube er findet das nicht so dramatisch. Da muss ich wohl mal etwas deutlicher werden. 🤔

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      • Ok, jetzt schreibe ich doch kurz meine Gedanken vom letzten mal. Da habe ich mich gefragt wie es zusammen passt, dass er so schlecht erreichbar ist, du durch den wenigen Kontakt ja auch überhaupt nicht „kontrollierbar“ bist (total blödes Wort, ich hoffe du weißt wie ich das meine), er dann aber eifersüchtig reagiert wenn du dich mit seinem Bekannten gut verstehst. Irgendwie beschlich mich da ein schlechtes Gefühl, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass eifersüchtige Menschen oft selbst mit Vorsicht zu genießen sind, was ja auch zu seiner Abwesenheit und der Besuchssituation passen würde. Aber dann passt wiederum nicht, dass er dir unter der Woche ja schon zu vertrauen scheint. 🤔
        Sorry, das waren einfach die wirren Gedankengänge die mir kamen. Finde ich gut dass du da so cool bist und ohne solches Kopfzerbrechen auskommst.

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        • Habe über deine Worte nachgedacht. Prinzipiell bin ich tatsächlich grade mit allem ziemlich cool und entspannt. In Bezug auf die Erreichbarkeit kristallisiert sich für mich langsam heraus, was ich akzeptieren kann und was nicht. Das werde ich ihm dann mitteilen und sehen, ob er sich auf ein paar Grundregeln einlässt. In Bezug auf Eifersucht haben wir zuletzt ganz konstruktiv kommuniziert (kommt bald in Beiträgen). Und der Gegenbesuch bei ihm ist bald fällig, sonst werde ich doch noch misstrauisch. 😉

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  2. Sin schreibt:

    Super, dass du ihm deine Gefühle und Sorgen mitgeteilt hast! Das ist ein toller Fortschritt.

    Unabhängig davon ist es sicher sehr wichtig, bevor du emotional viel zu sehr einsteigst, dich gewissermaßen „abzusichern“, indem du auch mal seine Lebenswelt, bzw. Wohnung kennen gelernt hast. Ist für die Vertrauensbildung ja auch sehr wichtig und daran sollte ihm gelegen sein.

    Liebe Grüße 🙂

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