Statusmitteilung

Daten die Menschen bei ElitePartner ernsthafter als bei Tinder?

Heute mal nicht Tinder, sondern ElitePartner. Diese Dating-Geschichte habe ich auch gar nicht selbst erlebt. Aber eine gute Freundin von mir. Und die hat mir das kürzlich sehr anschaulich und bewegend erzählt. Ihre Erlebnisse bei ElitePartner haben mich danach gedanklich noch eine Weile beschäftigt. Deswegen schreibe ich die Geschichte auf, um sie mit euch zu teilen. Die Geschichte passt thematisch nämlich absolut in diesen Blog und greift einige aktuelle Aspekte ganz interessant auf.

Meine Freundin heißt für diese Geschichte mal Jojo. Jojo ist seit einer ganzen Weile Single. Ich schätze mal so seit vier oder fünf Jahren. Sie hat in dieser Zeit immer wieder verschiedene Dinge ausprobiert. Sie war bei Lovoo, Badoo und auch bei Tinder. Im Gegensatz zu mir hat sie auch gelegentlich „Real Life“-Bekanntschaften. In ihrem Beruf als Physiotherapeutin lernt sie relativ viele Menschen kennen und hin und wieder auch mal einen interessanten Mann. Ich muss zu Jojo vielleicht noch sagen, dass sie einen Sohn hat. Den hat sie ziemlich jung bekommen. Mit dem Papa dazu hat sie aber ein super freundschaftliches Verhältnis, daher ist das ziemlich unproblematisch und schränkt sie beim Daten nicht ein. Aber sie datet (auch dadurch) grundsätzlich schon ernsthafter als ich.

Doch egal auf welchem Weg Jojo sucht: Es hat sich nie etwas ergeben, das von längerer Dauer gewesen wäre. Und sie wurde zunehmend gefrustet. Eine sehr gute Freundin von ihr (und auch von mir), wollte ihr Tinder & Co. daher schon seit einer Weile ausreden. Das wäre alles nicht geeignet, um etwas ernsthaftes oder langfristiges zu finden, da Männer dort gar nicht die Absicht nach ernsthaften Kontakten hätten. Das klassische Tinder-Vorurteil: „Da geht’s doch nur um Sex und kurzfristigen Spaß.“ (Überflüssig zu erwähnen, dass diese Freundin selbst noch nie bei Tinder unterwegs war.) Ihre Theorie: Auf einer kostenpflichtigen Plattform würde man sehr viel wahrscheinlicher auf Männer treffen, die tatsächlich ernsthaft suchen. Denn wenn jemand bereit ist, Geld für die Suche nach einer Partnerin zu investieren, dann wird es derjenige sicherlich ehrlich meinen. Und keine unnötigen Spielchen spielen. So ihre Annahme.

Nachdem Jojo wieder mal kurz hintereinander bei Tinder und im Real Life das Herz gebrochen wird, setzt sich dieser Gedanke bei ihr zunehmend fest: Jojo meldet sich bei ElitePartner an. Ich hab zur Orientierung kurz nachgeschaut: die Kosten für ElitePartner liegen so im Bereich von 40 bis 80 Euro pro Monat. Und schon nach kurzer Zeit scheint sich dieses Geld für Jojo vollkommen gelohnt zu haben, denn sie lernt IHN kennen: Endlich ein vernünftiger Mann! Endlich einer, der es ernst meint! Und dann auch noch so ein toller Typ! Ein Arzt! Attraktiv! Und so wahnsinnig nett! Unglaublich, dass der noch Single ist! Aber klar: Er hat ja auch seine Seelenverwandte noch nicht gefunden. Logisch, denn Jojo trieb sich bislang nur auf kostenfreien Plattformen rum.

Bei den beiden funkt es. Sofort und so richtig. Sie findet ihn toll! Er sagt, er findet sie toll. Er sagt, er möchte mit ihr zusammen sein. Innerhalb von relativ kurzer Zeit sind die beiden ein Paar. Sie stellt ihm ihren Sohn vor. Man stellt sich gegenseitig den Eltern vor, damit ist es offiziell. Und was ist Jojo verknallt! Alles ist absolut rosarot. Perfekt, so soll es sein! Was freuen wir alle uns für sie mit! Von den ersten Zweifeln bekommen wir ja auch nichts mit, denn wir sehen sie in dieser Zeit nicht allzu oft. Der allererste Zweifel entsteht, als sie mit Herzchen in den Augen ihr eigenes ElitePartner-Profil kündigen will. Logisch, das braucht sie ja nun wirklich nicht mehr. Die beiden sind ganz offiziell ein Paar. Da sieht sie: Er war erst vor wenigen Minuten online (scheinbar wird das bei ElitePartner angezeigt). Aber gut, das alleine will ja nun wirklich nichts heißen! Sicher hat er bloß eine Benachrichtigung gekriegt und wollte die ansehen. Sie schaut daraufhin häufiger nach. Und stellt fest, dass ihr Freund erstaunlich aktiv zu sein scheint auf dieser Single-Plattform.

Sie spricht ihn darauf an. Sagt, dass sie das nicht versteht und nicht gut findet. Sagt, dass sie ihre Mitgliedschaft gekündigt hat und dass sie von ihm das gleiche erwartet. Er erklärt, dass er immer bloß aus Neugier die Nachrichten gelesen hat. Und natürlich braucht er ElitePartner nicht mehr, denn er hat sie ja schon gefunden und möchte mit ihr zusammen sein. Er wird seine Mitgliedschaft natürlich kündigen. Sagt er.

Einige Wochen später. Er zeigt ihr grade irgendwas an seinem Handy. Da erscheint zufällig eine Benachrichtigung von Lovoo. Sie stellt ihn wieder zur Rede. Das war keine Nachricht von einer anderen Frau, sagt er, sondern bloß irgendeine Werbe-Nachricht oder so von Lovoo direkt. Er ist da nicht mehr aktiv. Aber warum hat er die App überhaupt noch? Ihre Zweifel wachsen. Auch weil mit der Kündigung von ElitePartner angeblich „etwas schief gegangen ist“. Scheinbar hat er da was falsch gemacht in dem Formular. Der kleine Schussel! Ist ja auch schwierig, so eine Kündigung. Das hat der Herr Dr. einfach nicht hingekriegt.

Aber davon abgesehen läuft doch alles so herrlich rund. Er ist so toll! Sie sind so toll zusammen! Sie planen den ersten gemeinsamen Urlaub. Sie sind seit fünf Monaten offiziell in einer Beziehung. Ihr Sohn bleibt beim Papa, das Traumpaar fliegt zusammen ans Meer. Herrlich! Ganz viel Zeit zu zweit! So eng aufeinander kriegt man viel voneinander mit. Zum Beispiel die Benachrichtigung von ElitePartner auf dem Sperr-Bildschirm. Uuupps… ihr bleibt kurz das Herz stehen. Aber diesmal will sie es genau wissen. Will keine billigen Ausreden mehr hören. Sie schluckt den Klos im Hals runter, verhält sich ruhig und wartet ab. Bis sie seinen Handy-Code endlich mal erkennen kann, als er ihn eingibt. Bis er endlich mal sein Handy rumliegen lässt und absehbar für einige Zeit weg ist aus dem Hotelzimmer. Sie öffnet ElitePartner. Seine letzte Nachricht:

Übermorgen flieg ich zurück, dann hab ich endlich mehr Zeit zum Schreiben.

Das reicht ihr, mehr muss sie nicht lesen. Sie läuft los, macht ihm in der Hotel-Lobby eine Szene. Er versucht, es zu retten. Erfolglos, denn er hat keine Erklärung, keine Entschuldigung. Sie fliegen nach Hause. Ein paar Tage nach der Rückkehr holt sie ihre Sachen bei ihm ab. Sie fragt spöttisch, ob er die Neue, die aus dem Chat, schon getroffen hat. „Nein“, sagt er, „aber jetzt ist das ja erlaubt. Da ist es nicht mehr interessant.“

Sie ist fassungslos. Ich bin es auch! Natürlich ist das bloß eine einzelne Erfahrung mit ElitePartner und nicht repräsentativ für die bezahlten Online Dating-Angebote. Und er ist hoffentlich sowieso ein Sonderfall. Aber für mich zumindest steht fest: Bloß die Tatsache, dass jemand Geld für eine Dating-Plattform bezahlt, sagt absolut nichts über die Ernsthaftigkeit seiner Absichten aus. Als würden die paar Hundert Euro im Jahr dem Herrn Dr. in irgendeiner Weise weh tun.

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45 Gedanken zu “Daten die Menschen bei ElitePartner ernsthafter als bei Tinder?

  1. Ich war auch immer nur auf kostenlosen Plattformen unterwegs, kann mir aber durchaus vorstellen, dass einige der Angemeldeten und ich behaupte einfach mal, besonders der angemeldeten Männer, eine Art Leistungsanspruch entwickeln. Die wollen was haben für ihr Geld, schließlich haben sie dafür bezahlt. Also wird jede Gelegenheit mitgenommen, die sich bietet. Wollen wir doch mal sehen, ob ich für mein gutes Geld nicht noch was besseres bekomme. Frauen, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, werden so gleich aussortiert, die sind das Geld nicht wert.

    Und mal ganz abgesehen davon, finde ich Leute, die sich mit der Hoffnung, der Verzweiflung und der Sehnsucht von einsamen Menschen eine goldene Nase verdienen, unerträglich. Die Gebühren sind lächerlich hoch für die „Leistung“ die dafür erbracht wird. Kein Wunder, wenn sich dann so ein Leistungsanspruch ausbildet.

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    • Das ist ein wirklich interessanter Gedanke! So hab ich es noch gar nicht betrachtet, aber eigentlich ist diese Sichtweise ja sehr einleuchtend. Wenn ich drüber nachdenke, hatte vielleicht sogar meine Freundin selbst ein bisschen diese Denke… ich bin zumindest nicht sicher, ob sie sich im Real Life so schnell auf den Herrn Dr. eingelassen hätte. Möglicherweise schwang bei ihr auch ein wenig dieses „Jetzt hab ich schon dafür bezahlt, dann soll auch was draus werden“ mit.

      Mich selbst hat es nie zu den kostenpflichtigen Plattformen gezogen. Aber das war eher eine Abneigung dagegen, für etwas Geld zu bezahlen, das es woanders kostenfrei gibt. 😉

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  2. Ach du scheiße. Das hätte ich jetzt wirklich nicht gedacht. Da verliert man ja echt den Glauben, dass es überhaupt nochmal jemand tatsächlich ernst meinen könnte. Denn selbst wenn man jemanden im ‚Real Life‘ kennenlernt, heißt das ja nicht, dass er sich nicht noch auf diversen Seiten herumtreibt. Ohmann.

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  3. Da hat die Freundin echt Pech gehabt. Ich würde aber behaupten, dass bei kostenpflichtigen Angeboten anteilig mehr Menschen mit ernsten Absichten angemeldet sind, als bei Tinder, wo es den Meisten (sowohl Männern als auch Frauen) um Oberflächliches geht. Sei es nun Selbstbestätigung oder ein schnelles Abenteuer. Natürlich gibt es auch dort Menschen, die etwas Ernstes suchen, aber die sind in der Minderheit.

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    • Hmm… letztendlich kann ich es nicht einschätzen, da ich ja selbst noch nie bei einem kostenpflichtigen Angebot war. Insofern kann ich dazu nur spekulieren. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus würde ich jedoch sagen: Die Minderheit ist es nicht, die bei Tinder etwas Ernstes sucht. Ich bin sicherlich auf mehr Menschen dort getroffen, die etwas Ernstes gesucht haben als auf Menschen, die dies nicht taten. Ist natürlich nicht repräsentativ, aber meine persönliche Einschätzung.

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  4. Fehlt nur der Spruch „Ich habe so viel Geld für den Account bezahlt, da will ich auch mehr als eine Frau!“
    Oder „Ich kündige doch jetzt nicht, der Monat ist schon bezahlt und hat gerade erst angefangen!“

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  5. Kim schreibt:

    Mal unabhängig wo diese Typ her ist… beim lesen wurde mir ganz anders. Wie kann man nur so von Grund auf falsch und durchtrieben sein??!? Bah !
    Ich verliere da eher den Glauben an die Menschlichkeit als an Dating Plattformen

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  6. Sin schreibt:

    Ich muss in dem Fall A Guy Called Classic zustimmen. Habe ja nun selber Erfahrungen gesammelt und finde, man kann in keine der beiden Richtungen (weder tinder noch kostenpflichtige Angebote) vorverurteilen.
    Vielleicht wird es an folgendem persönlichen Beispiel deutlich.

    Ich war bei Parship. Oft verrufen, etc. und wirklich auch ganz schön teuer. Mehrere hundert Euro, Ich war allerdings auch nur wenige Monate angemeldet, dann konnte ich mich abmelden. Aber von vorn:

    Meine Freundin erzählte mir, dass sie wahrgenommen hat, dass über Parship schon insgesamt ein höheres Niveau ist, das mehr von Ernsthaftigkeit geprägt ist. Es gebe dort eine gewisse Selektion an Personen, die ihren Partnerwünschen entsprochen hätten – der Pool ist dort einfach nicht so groß wie bei tinder und Co.

    Ich dachte mir, dass ich an sich nichts zu verlieren habe – außer ein bisschen Geld 😉 – und meldete mich im im Sommer 2016 dort an.

    Nun meine Erfahrungen und mein Vorgehen:

    Ich bin jemand, die eher ängstlich ist, was blind dates betrifft (daher bewundere ich sehr, wie locker du da herangehen kannst). Das bedeutet für mich: Da jedes Treffen mit Aufregung verbunden ist, wähle ich vorher genau aus, wer es „wert“ ist oder eben so vielversprechend, dass es sich lohnen KÖNNTE (hinterher weiß man natürlich immer mehr 😉 ).
    Dementsprechend schreibe ich auch relativ lange mit den Männern, bevor ich mir ein für mich ausreichendes Bild gemacht habe. Auch die Handynummer gibt es erst kurz vor dem Treffen. So weit, so gut, das zu den Rahmenbedingungen.

    Ich ließ mich also auf Date Nr. 1 ein. Ein Arzt, in der Forschung tätig, hochintelligent, unfassbar gebildet, mit zwei Studienabschlüssen, etc. Das Date war sehr nett, wir verstanden uns super (er war noch aufgeregter als ich – hätte nie gedacht, dass das geht 😉 ) und er war Feuer und Flamme, allerdings hat es bei mir nicht geklickt. Wir sind bis heute – nun fast anderthalb Jahre – miteinander befreundet und teile viele Interessen, daher war das ein schöner Datingeinstieg.

    Date Nr 2 (in meinem Kopf heißt er nur „reicher, verwöhnter Sohn“), klang auch vielversprechend, wenn mir auch seine Hobbys negativ ins Auge fielen – Golfen, Segeln und Co. Ich selber bin bodenständig und brauche keine Prestigehobbies. Schon gar nicht, wenn ich durch meine Eltern reich geboren bin und nur eine Frau suche, mit der ich in das im Bau befindliche Haus mit riesigem Außenpool ziehen kann. Beim Treffen sprach er so wenig, dass ich dachte „die Chemie stimmt einfach nicht“. Ich will mit jemandem lachen und irgendwie auch verrückt sein können. Eben ausgelassen. Und tiefgründig. Aber bei ihm großes Schweigen. Das passte mir recht gut, denn er sprach mich so gar nicht an und ich wollte den Kontakt dann auch abbrechen. Er meldete sich dann aber in den darauffolgenden Wochen und Monaten mehrfach, weil es bei ihm wohl Liebe auf den ersten Blick gewesen sei und er deshalb so erstummt sei. Viel zu früh fing er von Kinderkriegen, Kindererziehung, Einzug in seine Villa an, etc. – das war echt too much und ich beendete den Kontakt dann.

    Dann kam ein Zwischenspiel. Nachdem ich schon dachte, dort seien echt relativ normale Menschen unterwegs, erntete ich mir einen Stalker. Er machte falsche Angaben über Alter, Beruf und dass er zudem schon Vater war, verschwieg er. Ich spürte schon vor dem Treffen sehr schnell, dass da was nicht stimmt und hakte so lange nach, bis er auspackte. Da brach ich rigoros den bisherigen telefonischen Kontakt ab und er sah sich gezwungen, sich bei mir entschuldigen zu wollen, um mich „zurückzugewinnen“, ich sei doch seine Traumfrau, blabla…. Er tauchte dann vor meiner Haustür auf (wohnte 800km entfernt!), hinterließ Blumen, Anrufe, Nachrichten, etc. Kurz bevor ich die Polizei einschalten wollte, ließ er dann ab.

    Date Nr. 3: Das Date, das eigentlich nie hätte stattfinden sollen. Ich hatte nach der Stalker-Erfahrung wirklich die Nase voll und war schon einige Zeit nicht mehr bei Parship aktiv. Da ich sowieso beruflich sehr stark eingespannt bin, trat das Datingthema in den Hintergrund. Es schrieb dann „der Rechtsanwalt“ und allein als ich seine Berufsbezeichnung sah, wollte ich nicht zurückschreiben – was ich ihm letztlich auch sagte. Schrieb aber doch, weil er wirklich sehr individualisiert und auch schon recht lang geschrieben hat. Und dabei so unkompliziert und sympathisch. Ich schrieb also ein wenig hin und her und er wollte recht schnell ein Treffen, weil er meinte, das sei am Ausssagekräftigsten. Ich zog das aber ewig hin, – siehe meine Nervosität vor Treffen – und er wurde nie ungeduldig, sondern schrieb, dass ich mir so lange Zeit nehmen solle, wie ich brauche. Seine Eckdaten machten mich einfach so unsicher, denn er war „zu perfekt“, auch wenn es merkwürdig klingt, aber das macht mir eher Angst, als wenn jemand sichtlich auch so seine Themen/Schwächen hat (die natürlich jeder hat, aber der Ersteindruck war eben: „zu gebildet, zu hoch positioniert beruflich, zu talentiert, …“, eben zu perfekt um wahr zu sein.
    Letztlich trafen wir uns vor ziemlich genau einem Jahr und in der Zwischenzeit sind wir nun offiziell zusammen gekommen. Haben uns viel, viel Zeit für alles gelassen – Eltern erst nach 10 Monaten eingebunden, uns wahnsinnig oft getroffen (ca. 3-4 Mal die Woche), bevor es nach vielen Monaten so gefestigt war und ist, dass es nun offiziell ist. Ich bin nun überglücklich und lebe meinen Traum mit ihm – weil er mir die (emotionale) Sicherheit gibt, die ich in einer Partnerschaft brauche. Dabei geht es nicht um eine symbiotische Bindung, sondern schlicht darum, dass wir einander viel Raum geben können und doch ein Team sind – eben in guten, wie in schlechten Zeiten 🙂
    Witzigerweise wohnt er keine 10 Gehminuten von mir entfernt und auf natürlichem Wege hätten wir uns nie kennen gelernt, da unsere Lebenswelten sich stark voneinander unterscheiden und er mit seinen 10-stündigen Arbeitstagen + zeitintensiven Hobbys auch nicht so im Nachtleben unterwegs ist, wo wir uns sonst hätten kennen lernen können.

    Puh, das war jetzt viel Text, aber ich fasse mal kurz MEIN höchstpersönliches Datingfazit zusammen, das natürlich keinen Anspruch auf Allgemeinheit hat:

    1). Online Dating ist toll, weil man Menschen kennen lernt, die man unter gewöhnlichen Umständen vllt. nie kennen gelernt hätte.

    2). Ein springender Punkt war für mich immer zu testen, wie verbindlich (oder eben unverbindlich) jemand ist und daher fand ich das etwas längere Schreiben hilfreich. Wenn jemand schon da den Kontakt nicht halten kann oder nur kleine Floskeln oder täglich „Hi, wie gehts?“ schreibt, erahne ich schon, dass das im reallife nicht groß anders sein wird.

    3) Schubladendenken ist manchmal hilfreich, verschließt aber auch Chancen. Hätte ich bspw. „den Rechtsanwalt“ nicht getroffen, weil ich dachte, die sind eh alle arrogant, was ich hasse, dann wäre ich jetzt nicht in der überglücklichen Lage, diesen großartigen, empathischen und liebevollen Mann an meiner Seite zu haben. Deshalb: Wenn man das Gefühl hat, es steckt eine interessante Persönlichkeit dahinter, gebt ihm/ihr eine Chance.

    4) Ich habe immer deutlich gemacht, schon im Eingangstext, dass ich ausschließlich eine feste Beziehung suche und nur ernst gemeinte Anfragen wünsche. Denn: So selektierte sich schon vor, dass nicht irgendwelche Anfragen mit Bettgeschichten kommen und ich stellte fest, wie viele Männer dort auch wirklich an einer festen Beziehung interessiert waren.

    5) Ich denke also, es kommt weniger auf die Plattform (!) an, auf der man sich befindet (ob Tinder, Parship, ElitePartner und Co.), sondern vielmehr auf das Dating- und Selektionsverhalten. Selektiere ich schon gut vor, brauche ich in der Regel weniger Dates, die dann jedoch eher erfolgversprechend sind, statt sehr viele Dates zu haben, aus denen dann nichts wird. Das ist aber nur MEIN Vorgehen und liegt auch eben in meiner Persönlichkeit begründet, dass ich nichts davon habe, sehr viele neue Menschen zu treffen, einfach weil ich sehr stark ausgelastet bin mit meinem großen Freundeskreis und auch beruflich viel mit Menschen zu tun habe. Dadurch war der „Reiz des Neuen“ bei mir nicht groß, sondern eher der Wunsch, „den Einen“ zu finden.

    Puh, das wurde jetzt eine richtige Kolumne *lach* Aber zum Thema ElitePartner, etc. und auch das ewige Tinder-Bashing wollte ich das mal loswerden.

    Ich drücke dir in jedem Fall weiter die Daumen, wer auch immer es dann letztlich werden wird!

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    • Vielen lieben Dank erstmal, dass du deine Erfahrungen hier teilst! Finde es schön, mal deinen Hintergrund zu kennen. Einiges davon hattest du ja schon hin und wieder mal in den Kommentaren angedeutet, aber so ergibt sich ein vollständiges Bild.

      Mein Fazit daraus vor allem: Dating ist etwas absolut individuelles und es gibt nicht den einen besten Weg. Daher haben wohl auch die verschiedenen Angebote grundsätzlich ihre Berechtigung. Es muss wohl einfach jeder für sich die Vorgehensweise und Plattform finden, die zu einem passt und mit der man sich gut fühlt. Ich ticke gänzlich anders als du: Die Vorstellung, dass ich erst einen dreistündigen Persönlichkeitstest machen muss oder hunderte Fragen über meine Lebensziele beantworten muss, stresst mich total. Darauf hätte ich keine Lust. Solche Fragen beantworte ich total gerne in einer entspannten Umgebung in einem schönen Gespräch. Alles andere macht für mich gar keinen Sinn. Genauso wie das mit dem langen Schreiben vor einem Treffen. Das ist einfach absolut nichts, womit ich klar komme!

      Aber (und deswegen freue ich mich über deinen Kommentar) ich kann aufgrund deiner Ausführungen schon verstehen, warum du deinen Weg gegangen bist. Ich war kurz verleitet zu schreiben „Der Erfolg gibt dir ja recht“. Also das stimmt natürlich… auf dich bezogen. Wenn ich selbst hingegen dein Vorgehen probiert hätte, wäre ich ziemlich sicher grandios gefrustet gescheitert.

      Letztendlich gehört bei jeder Plattform vor allem auch eine riesen Portion Glück, Timing und Zufall dazu. Ich bin nicht sicher, ob man dem Glück „auf die Sprünge helfen“ kann durch das richtige Vorgehen. Ich neige zu einem Nein. Man kann Chancen erhöhen. Und vor allem kann man für sich selbst dafür sorgen, dass man sich wohlfühlt mit dem Dating und das man eine gute Zeit hat währenddessen. Und das nicht ausschließlich zum mühevollen Mittel zum Zweck verkommt. Insofern denke ich schon, dass wir das beide für uns jeweils gut angegangen sind.

      Auf jeden Fall freue ich mich für dich mit, dass du sehr glücklich zu sein scheinst. Ich wünsche dir, dass das immer so bleibt! Und hoffe, du verfolgst meine Suche nach dem Happy End hier weiter mit. 🙂

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      • Sin schreibt:

        Ich habe natürlich nichts gegen Golfen oder Segeln, aber so offensichtlich von den wohlhabenden Eltern gepampert zu werden, war mir dann doch too much. 🙂

        Mir ist Geld oder der sozioökonomische Status nicht wichtig, da ich selber dafür studiert habe und arbeite, statt dass ich mich dahingehend von einem Mann abhängig machen würde.
        Aber diese Golfwochenenden mit seinen Eltern, waren mir ein Graus. War auch so ein Typ Muttersöhnchen, sehr verwöhnt.

        Ich freue mich, dass meine Geschichte sogar gelesen wurde, war ja doch sehr lang und da scrollt man u.U. mal schnell drüber weg 🙂

        Und Ja, seit fast genau einem Jahr bin ich sehr, sehr glücklich und froh, damals den Mut gefasst zu haben, ihn eben doch zu treffen, trotz Nervosität. Wir haben innerhalb des einen Jahres so unglaublich Vielfältiges unternommen (mehrfach im Theater, Musicals, viiele Spaziergänge, Filmabende, gemeinsame Weihnachtsbäckerei, Restaurantbesuche, Kabarett, Konzerte, Comedyveranstaltungen,…
        und auch Momente, in denen er oder ich krank waren und wir uns umeinander kümmerten. So lernt man einen Menschen wirklich kennen. Eben in jedweder Situation.)

        Deshalb finde ich es sehr gut, sich auch Zeit für einen Menschen zu nehmen, um ihn wirklich zu erfassen. Wenn ich daran denke, wie er und ich zu Anfang waren, das war okay und natürlich auch authentisch, aber über die Zeit gewinnt alles an Tiefe, man teilt mehr miteinander und lernt sich in unterschiedlichsten Situationen kennen.

        Ich sage meinen Freunden immer „Hätte ich einen Mann backen dürfen, wäre exakt er rausgekommen. Sowohl charakterlich als auch optisch“ Muss mich immernoch oft kneifen, ob das alles wahr sein kann 🙂

        @tus: mich würde eine Aussage von dir noch sehr interessieren: Du schriebst, dass du mit meinem Vorgehen gnadenlos gescheitert wärst. Darf ich fragen warum?
        Nicht, dass mein Vorgehen richtig war – genau wie du sagst, war es für mich (!) exakt richtig. Aber was lässt dich denken, dass du gescheitert wärst?

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        • Hmm… zum einen, weil ich von zu langem Schreiben ziemlich schnell gelangweilt und genervt bin. Daher funktioniert es für mich denke ich nicht, schreibend jemanden kennen zu lernen. Das kann ich relativ schwierig begründen oder in Worte fassen, aber irgendwie hab ich da eine absolute Abneigung dagegen.

          Und dann kommt für mich auch einfach dazu, dass ich das ja von Anfang an so haben wollte: Neue Leute treffen und kennen lernen. Ich bin damals neu in die Stadt gezogen und habe kaum jemanden gekannt. Daher war die Herangehensweise für mich von Anfang an: Menschen treffen und dann weiter sehen. Gerne eine Beziehung finden, aber auch sehr gerne einfach Freundschaften oder Bekanntschaften.

          Ich hab das vielleicht zuvor falsch formuliert: In Bezug auf eine Beziehung kann ich nicht wirklich beurteilen, ob ich damit gescheitert wäre oder ob ich nun schneller oder einfacher einen möglichen Partner gefunden hätte. Aber in jedem Fall hätte ich den Weg dahin so nicht haben wollen. Ich bin einfach davon überzeugt, dass zu einem großen Teil Glück dazu gehört, über einen Menschen zu stolpern, mit dem es so gut passt wie bei euch. Weder auf dem einen, noch auf dem anderen Weg gibt es dafür irgendeine logische oder kalkulierbare Chance. Und deswegen wähle ich den Weg, der für mich leichter zu gehen ist. Verstehst du, was ich meine?

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          • Sin schreibt:

            Ja, das ist sehr verständlich und erklärt dein Vorgehen nochmals mehr und ergibt absolut Sinn!

            So hat jeder seine Ausgangslage und deshalb sollte auch nicht vorverurteilt werden, ob jemand sehr viele trifft, etc. – das ist so hochindividuell was man sich wünscht und auch mag!

            Ich bin schon sehr auf deine weiteren Beiträge gespannt, du wolltest uns ja penetrieren *lach*

            Liebe Grüße!

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  7. Mina schreibt:

    so ähnliche Zweifel habe ich derzeit auch. Ich habe einige Weile getindert, und dann mich bei Parship angemeldet. seit einigen Monaten treffe ich mich mit einem Mann, seit einem Monat sind wir offiziell ein Pärchen, und wir verbringen die meiste Zeit zusammen. Ich habe noch nichts gesehen, damit ich ihm nicht mehr vertrauen sollte, aber er hat seine Mitgliedschaft bei Parship noch nicht gekündigt, was ich eher nicht verstehen kann. Er sagt halt, dass sein Vertrag sowieso ein Jahr automatisch verlängert wurde und deswegen hat er noch viel Zeit sich zu kündigen. Na und? Noch habe Ich Vertrauen gegenüber meinem Freund, aber irgendwie denke ich schon, dass ich auch so eine Erfahrung, die ähnlich der deiner Freundin ist, sammeln könnte. Tja, wer weiß, mal schauen.

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    • Ich kann dein Misstrauen hier gut verstehen. Auch meine Freundin hatte die ersten Zweifel ähnlich geschildert. Das Problem: Das wird schnell zur schwierigen Gratwanderung zwischen übertriebenem Misstrauen und achtsam sein. Grundsätzlich denke ich schon, dass grade eine so frische Beziehung auch einfach ein wenig Vertrauen erfordert. Drück dir die Daumen, dass sich das Vertrauen auszahlt und deine Zweifel sich nicht bestätigen! 🙂

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  8. Magenta schreibt:

    Ohgottogott ist das schrecklich. Da muss ich mal mit was gutem gegenhalten: ich war genau 1 einziges Mal für genau 5 Minuten bei finya. Hatte weder Profil ausgefüllt, noch Foto hochgeladen. Ich hab mir dann erstmal die möglichen Kandidaten anschauen mögen. Einer hatte ne Sonnenbrille auf und ich hab das Bild grössergeklickt ohne zu ahnen, dass ich damit eine Spur auf seiner Seite lasse. Er hatte direkt darauf mich angeklickt und mir geschrieben. Was nettes unverbindliches bezüglich meiner Neuheit bei finya. Ich hab darauf hart ironisch geantwortet, er hat hart gekontert und wenig später haben wir uns für zwei Tage später verabredet. Unser Kind ist heute 12 Jahre alt und es ist immer noch mehr toll als nicht toll mit ihm. Gibts also auch, ich find das selbst unfassbar. 🙂

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    • Ach toll… was für eine schöne Geschichte! 😀 Fast schon filmreif würde ich sagen. Danke für’s Teilen! 🙂

      Es gibt wohl für alle Plattformen Beispiele in die eine und in die andere Richtung. Aber diese Schlussfolgerung, bezahlte Plattformen würden in jedem Fall nur supertolle und hochseriöse Menschen anziehen, ist wohl falsch.

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  9. Genau so einen Fall kann ich auch beisteuern. Gute Freundin hat so einen „tollen Mann“ im Flugzeug kennen gelernt. Irgendwann hat sie ihn mir vorgestellt. Alles top. Dann kam eine Horrorstory nach der anderen raus. Es ist völlig egal wie man jemanden kennen lernt. Es gibt überall schräge Menschen.

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  10. Zunächst stimme ich Wolfgang zu, mit dem Typen stimmt was nicht, Diagnose Vollidiot, wobei das schon reichlich gestört ist. Ich denke aber auch ähnlich wie Sin bei 5., es ist egal wo man jemanden kennenlernt, man kann überall Glück oder Pech haben. Hätte sie den Dr. im Supermarkt getroffen, hätte er auch weitergemacht bei Elitepartner. Ich kenne einige Paare die sich bei Parship oder Elitepartner oder auch bei Tinder kennengelernt haben und wo die Beziehungen stabil sind seit einigen Jahren. Genauso kenne ich auch viele (siehe wir ;)), die bisher kein Glück hatten was das Eingehen einer neuen Beziehung angeht. Eine Freundin von mir hatte ca. 20 Dates bei Elitepartner, nun ist sie seit ca 1 Jahr mit einem von Tinder zusammen. Auch bin ich der Überzeugung, dass die meisten Singles eh mehrere Dinge ausprobieren, insofern trifft man fast überall die gleichen Kandidaten. Menschen bleiben ja die gleichen Menschen, egal wo man sie trifft. Tinder scheint die größte Schnittmenge zu haben, da hier nicht klar definiert ist, wo das hinauszulaufen hat. Alle Männer, die ich bei Joyclub gesehen habe (Portraitfoto) habe ich bei Tinder wieder entdeckt. Meine Freundin ist bei Parship und Tinder und berichtet ähnliches, dass sie viele Männer bei beiden Plattformen gesehen hat.
    Ich hatte mal einen Probeaccount bei Parship und nach Gesprächen mit besagter Freundin haben wir die folgenden Unterschiede festgestellt (Elitepartner ist ja ganz ähnlich):
    – bei Parship/Elitepartner schreibt man viel mehr vor dem Treffen, das wäre nicht mein Ding
    – die Ernsthaftigkeit ist schon höher, zumindest wird so getan, und das finde ich eher abschreckend. Ich mag es, dass Tinder da lockerer unf offener ist.
    – Die Fotos werden meist erst freigeschaltet, nachdem man darum bittet, das würde mich nerven. Ebenso würde es mich nerven, wenn jeder mich anschreiben kann und wenn jeder sieht wann ich zuletzt online war. Bei Tinder ist beides besser gelöst finde ich, ich mag das Matchprinzip und dass es keinen Zeitstempel oder Anzeige gibt wann ich online bin oder war.
    – meine Freundin sagt, bei Tinder sind eher die cooleren Männer, solche die offline auch keine Probleme hätten, Frauen kennenzulernen. Bei Parship gab es viel mehr Frösche, die sich nach ihrer Einschätzung nicht leicht tun mit Frauen.

    Die Anspruchshaltung „jetzt will ich aber was für mein Geld“ mag es geben, andererseits könnte man auch denken, wenn jemand dafür so viel zahlt, ist es ihm was wert „die richtige“ zu finden und er nimmt es ernster und investiert „mehr“, nicht nur Geld. Investiert wird aber ja nicht nur Geld, bei einem Joyclub Date sagte mir auch ein Vollidiot sinngemäß sowas wie „muss sich ja endlich lohnen“, meint damit aber eher den Aufwand der damit zusammen hängt als das Geld.

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    • Jo das stimmt… egal wo: Es gehört einfach immer eine große Portion Glück und Zufall dazu. Das kann man sich nicht erkaufen.

      Denke mal, die meisten bei den bezahlten Plattformen haben davor auch schon mal was kostenloses probiert. Insofern kann ich mir gut vorstellen, dass man letztendlich viele „bekannte“ Gesichter finden wird.

      Ansonsten stimme ich dir sehr stark zu: Für mich sprechen ähnliche Gründe wie von dir genannten nach wie vor mehr für Tinder. Generell finde ich das spontane, schnelle an Tinder gut. Weil ein Match im Endeffekt einem digitalen Zuzwinkern in der Bahn nicht so unähnlich ist. Das kommt mir nicht so erzwungen vor wie ellenlange Fragebögen und exakte Filterkriterien.

      „Muss sich ja endlich lohnen“ ist so ein Quatsch! Darauf gibt’s wie auf jedes Glück in dieser Welt keinen Anspruch und keine faire Verteilung. Ist eben so. Kann man nicht ändern.

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