Tinder-Date Nr. 58: Tanzmäuse im Glück?

Es ist letzten Samstag am frühen Abend, 18 Uhr vielleicht. Meine Pläne für den Abend haben sich soeben zerschlagen. Aaaach… dann also nur Sofa-Abend. In dem Moment schreibt Nr. 58 mich zufällig an. Ein witziger Einstiegstext. Als ich ihn ein paar Stunden zuvor matche, bin ich mir erst gar nicht ganz sicher. Ich finde ihn auf seinen Fotos nicht unbedingt so furchtbar attraktiv. Er ist für meinen Geschmack ein bisschen zu groß und ein bisschen zu schlank. Und er wirkt irgendwie ein bisschen elitär, was mir nicht so gefällt. Er trägt so eine Art Siegelring. Andererseits hat er etwas interessantes an sich und einen fröhlichen Blick. Und wir haben zwei gemeinsame Freunde. Zwar beides keine sehr engen Freunde von mir, aber trotzdem ist das ja irgendwie ein positives Signal. Also frage ich ihn kurzentschlossen, ob er zufällig Zeit und Lust auf ein spontanes Date hat. Ich bin total überrascht, dass er das wirklich hat. Also verabreden wir uns für zwei Stunden später in meiner Stadt.

Er kommt auf mich zu und ich bin positiv überrascht. Er wirkt sofort total sympathisch! Ich plappere fröhlich drauf los und erzähle, dass ich mich sehr über das spontane Date freue. Ich: „Ansonsten wären wir womöglich beide allein auf dem Sofa gesessen, das wär ja doof gewesen.“ Er: „Ach, mir wär sonst schon noch irgendwas eingefallen.“ Ich: „Aber sicher nix so tolles wie mit mir einen Abend zu verbringen.“ Er lacht total: „Hee, solche Sprüche bringe normalerweise ich.“ Hahaa… wir battlen uns dann auch immer wieder mit derartigen Sprüchen.

Ich eröffne ihm, dass wir dringend erstmal was zu essen für mich besorgen müssen, weil ich es bei der Spontanität unserer Verabredung nicht mehr geschafft habe, vorher zu essen. Also krieg ich einen phantastischen Pulled Pork Burger in einem coolen Laden. Nr. 58 darf mir erst beim Essen zusehen und dann meine Reste verdrücken. Wir beginnen uns zu unterhalten so gut das eben möglich ist, wenn immer einer isst. Ich bin ja kein Fan von Essen beim ersten Date, aber hier ging es nicht anders. Nr. 58 hat einen ähnlichen Job wie ich, das ist schon mal witzig und interessant. Aber er hat vor kurzem eine neue Stelle knapp 100 Kilometer entfernt angefangen. Er wohnt also eigentlich gar nicht mehr hier. Das ist natürlich nicht so toll.

Nr. 58 geht kurz zur Toilette. Als er zurückkommt grinst er und sagt: „Du bist ja noch da“. Ich lache und frage mich innerlich, was eigentlich immer alle haben. Ich bin noch nie heimlich von einem Date verschwunden und hab auch noch nie eine Notfallkontakt-Freundin bemüht. Umgekehrt ist es mir ebenfalls nie passiert. Warum tun ständig alle so, als wäre sowas total üblich?

Ich frag ihn nach den gemeinsamen Freunden. Die eine kennen wir beide nur sehr oberflächlich. Aber bei der anderen wird es interessant. Die kommt nämlich aus meinem Heimatort, also fast zumindest. Ich frag ihn, woher er die nun kennen kann. Er grinst schon so leicht peinlich berührt. „Naja, über meine Ex-Freundin.“ „Ahaaa“, lache ich. Er fragt woher ich komme und ich antworte. „Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“, er guckt leicht schockiert. Seine Ex-Freundin kommt aus dem gleichen Ort wie ich. Natürlich kenne ich die. Zwar nicht gut, aber ich habe sofort ein Gesicht im Kopf. Ihm ist es etwas peinlich, ich schmeiße mich total weg. Er erzählt kurz, was er in meinem Heimatort schon alles unternommen hat. Er war da auf einem Fest. Ich weiß natürlich, wann das war. Ist knapp zwei Monate her. Hmm… frisch getrennt also.

Irgendwann wird in dem Laden die Musik total aufgedreht, so dass keine vernünftige Unterhaltung mehr möglich ist. Außerdem ist es Hip Hop. Wir zahlen mal lieber und ziehen weiter. Ich zerre ihn in eine meiner Lieblings-Kneipen, wo es ruhiger und entspannter ist und wir uns weiter unterhalten können. Es ist angenehm mit ihm. Er sieht definitiv viel attraktiver aus als auf seinen Fotos. Und ich mag seine Art sehr. Die ist fröhlich mit einem Hauch von Quatschkopf. Aber nicht zu viel. Das gefällt mir sehr!

Wir wollen nochmal eine Bar weiter ziehen. Da ist es aber voll. Wir kommen an einem kleinen Club vorbei. Mir fällt ein, dass ein guter Kumpel von mir an diesem Tag dort eine Veranstaltung macht. Aach… einwandfrei, da krieg ich freien Eintritt. Ich frag Nr. 58, ob er darauf Lust hat. Er hat, große sogar. Sehr cool! In dem Club ist noch nicht sonderlich viel los. Wir holen uns was zu trinken und setzen uns erst nochmal hin und quatschen ein bisschen. Irgendwann sagt Nr. 58: „Sag mal, bist du eigentlich eine Tanzmaus?“ Ich kichere und sag „Joa, eigentlich schon. Und du?“ Statt einer Antwort springt er auf und wir entern die Tanzfläche.

Das macht Spaß mit ihm! Alles herrlich spontan und entspannt. Und lustig. Wir tanzen ausgelassen und grölen mit soweit möglich. Er kann absolut keine Songtexte. Er versucht daher, sich pro Song wenigstens eine Zeile einzuprägen. Dann tut er die ganze Zeit so als würde er singen und bei der einen Stelle strahlt er und schreit den Text ganz laut mit. Das ist witzig. Von Wegen Lisbeth singt über Lina. Nr. 58 singt über mich. „MeinName, wann werden wir Sushi essen gehen?“ Bei „und du immer so wunder-wunderschön“ singt er extra laut und grinst mich schelmisch an. Yeah… das find ich schon ziemlich toll! Mit sowas kann man mein Herz erobern, fürchte ich. Insgesamt haben wir einfach wahnsinnig viel Spaß zusammen auf dem Dance Floor. Richtig toll! Und attraktiv finde ich ihn im Schummer-Licht des Clubs. Wirklich attraktiv!

Plötzlich stürmt eine Frau auf ihn zu und fällt ihm um den Hals. Er stellt mich vor und quatscht kurz mit ihr. Danach frag ich, wer das war. Er sagt „Das ist eine längere Geschichte, die erzähl ich dir beim nächsten Mal“ und lacht. Ich bin für einen kurzen Moment verdammt irritiert. Bei einem Ex-Date, das ihm um den Hals fällt, möchte ich mich schreiend auf den Dance Floor werfen! Aber ist ja gar nicht gesagt, vielleicht meint er mit seiner kryptischen Aussage auch was ganz anderes. Ich ignoriere meine kurze Verwirrung also schnell wieder. Wäre ja wirklich lächerlich, einen Anflug von Eifersucht zu verspüren. Ich kenn ihn zu dem Zeitpunkt seit vielleicht vier Stunden… haha.

So verbringen wir die restliche Nacht zwischen Tanzfläche und Theke bis wir schließlich aufbrechen. Er ist mit dem Auto da und besteht darauf, mich noch heim zu fahren. Das ist zwar totaler Quatsch, weil der Weg zu seinem Auto annähernd so weit ist wie der bis zu mir nach Hause. Aber so haben wir noch etwas mehr Zeit zusammen, also nehme ich gerne an. Der Heimweg ist nochmal richtig toll. Wir sind beide super drauf, weil wir so viel Spaß hatten. Nr. 58 hat einen schlimmen Ohrwurm von einem total dämlichen Lied (das mir nicht mehr einfällt) und singt immer wieder vor sich hin.

Wir laufen durch einen Park und an einem Gebüsch vorbei. Plötzlich raschelt es in einem Busch, wahrscheinlich ein Vogel oder eine Katze. Nr. 58 springt von mir weg und duckt sich schützend hinter mich. „Nimm sie zuerst!“, ruft er lachend. Ich krieg einen heftigen Lachanfall, nicht zuletzt weil mir 58 damit wie der exakte Gegenspieler zu Nr. 55 und seinem Beschützerinstinkt vorkommt.

Wir laufen weiter bis Nr. 58 plötzlich „Stopp!“ ruft. Ich weiß gar nicht, was jetzt los ist. „Geh mal nen Schritt zurück“, sagt er. Unter meinem Fuß kommt ein 1-Cent-Stück zum Vorschein, das er aufhebt. „Einen Glückscent darf man niemals liegen lassen“, erklärt er und gibt mir den Cent. Ich steck ihn ein und sag: „Dann kann ja jetzt gar nix mehr schiefgehen“. Er fährt mich nach Hause und wartet noch im Auto bis ich das Haus betreten habe. Also doch ein kleines bisschen Beschützerinstinkt… hehe.

 

26 Gedanken zu “Tinder-Date Nr. 58: Tanzmäuse im Glück?

  1. Matze schreibt:

    Klingt (endlich) mal nach einem sympathischen und „normalen“ Typ. Aber auf die Geschichte die er Dir wegen der einen Frau erzählen will bin ich jetzt schon gespannt…

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  2. „Also frage ich ihn kurzentschlossen, ob er zufällig Zeit und Lust auf ein spontanes Date hat. Ich bin total überrascht, dass er das wirklich hat.“ Ach nee, wundert mich dass Dich das wundert, sowas lässt Man(n) sich halt nicht zwei mal fragen, wenn die Frau sogar noch den Anfang gemacht hat, wow. Aber daraus könnte man (vermutlich) ablesen, dass Frau nicht so aufs beschützt werden steht, weil sie ja eben vorher selbstbewusst gefragt hat 🙂

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    • Hehe… was mich überrascht hat, war vor allem wie spontan und kurzentschlossen er sich auf das Date eingelassen hat. Es war Samstag Abend und wir haben das für 2 Stunden später ausgemacht. Und er musste noch in meine Stadt fahren. Also das war wirklich kurzfristig.
      Aber ansonsten hast du natürlich recht und nach fast 60 Dates bin ich schon so selbstbewusst, um zu wissen, dass genug Männer Lust auf ein Date mit mir haben. 😉

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