Kurzmitteilung

Tinder-Date Nr. 43, Teil 2: Eine rote Ampel und ein bisschen Kitsch

Unglaublich: Nervös wegen einem Date! Ich alter Dating-Routinier! Vor dem zweiten Treffen mit Nr. 43 mach ich mich ein bisschen verrückt. Das erste Date und mein Eindruck von ihm waren so gut, da mach ich mir Gedanken. Dass das zweite Date sicher nicht mithalten kann. Dass er auf den zweiten Blick bemerkt, dass ich doch nicht so toll bin. Dass seine Art vielleicht doch bloß eine geschickte Masche ist, um mich ins Bett zu kriegen. Aber sobald wir uns an dem Abend zur Begrüßung umarmen, ist die ganze Aufregung wie weggeblasen. Ich fühl mich sofort wieder wohl mit ihm. Diesmal treffen wir uns in seiner Gegend, beim letzten Mal war er in meine gefahren. Wir wohnen eigentlich nicht weit entfernt, zwei Stadtteile derselben wunderbaren Stadt. Aber dazwischen liegt ein See, deswegen ist die Anbindung nicht so grandios.

Wir gehen in einer alten Mühle Cocktails trinken. Wir reden und reden, das macht Spaß. Die Stunden verfliegen. Irgendwann macht der Laden zu. Also stehen wir kurz drauf vor der alten Mühle. „Und jetzt?“, fragt er. Ich muss nach rechts in Richtung Straßenbahn, er nach links. „Weiß nicht“, grins ich ihn so an. Ich möcht ihn küssen! Er grinst aber nur zurück. Ich sag, dass er mich wohl locker noch zur Haltestelle bringen könnt. Na logisch, sagt er. Wir laufen die ersten Schritte los und reden über irgendwas. Er erwähnt in einem Nebensatz irgendwas von wegen schüchtern. So wirkt er ABSOLUT nicht! Ich weiß nicht, ob er es so meint. Aber ich werte es als Freifahrtschein, den ersten Schritt zu machen, wenn ich will. Wir laufen weiter. Es ist so ein herrliches Straßenlampenlicht, er sieht schön aus. Er kennt sich nicht gut aus, obwohl es sein Stadtteil ist. Er denkt wir müssen nach rechts, wir müssen aber links. Ich nehm ihn lachend bei der Hand und zieh ihn nach links. Er strahlt. Das ist herrlich! Meine Hand gibt er nicht mehr her.

Wir laufen händchenhaltend über die Brücke, die seine und meine See-Seite verbindet. Das wär eine wahnsinnig romantische Stelle für den ersten Kuss, denk ich mir so. Aber es passt noch nicht. Wir laufen weiter. Wir wechseln die Straßenseite, er nimmt sofort wieder meine Hand. Wir sind fast an der Haltestelle, müssen nur noch über zwei Ampeln. Wir gehen drauf zu, die erste Ampel springt auf rot. Ich denk „Yeay, das passt“. Ich grins ihn an, geh einen Schritt schneller als er, so dass wir uns an der roten Ampel gegenüber stehen. Er strahlt mich an. Er küsst mich. Peng!

Er riecht irre gut. Er küsst irre gut. Er fühlt sich irre gut an. Nach einer Weile Geknutsche kichert er. Ich kichere erstmal mit. Ich frag ihn dann, warum er jetzt kichert. Er sagt, dass die Ampel bestimmt schon fünf mal grün geworden ist. Ich sag, dass mir das vollkommen egal ist. Wir knutschen weiter. Irgendwann gehen wir doch über die Ampel und auf die zweite Ampel zu. In dem Moment springt die auf rot. Ich sag „Juhuuu“ und wir knutschen weiter. Als wir irgendwann an der Straßenbahn-Haltestelle ankommen, sieht man schon von ganz weit hinten eine Bahn einfahren. Ach verdammt, die fahren um diese Uhrzeit doch gar nicht mehr so häufig. Das hätte jetzt ruhig noch etwas dauern können.

Wir knutschen bis die Bahn einfährt. Als sie hält, sag ich noch schnell „Ich mag dich, das weißt du schon, oder?“ und muss auch schon einsteigen. Ich steh noch in der Tür, wir schauen uns an, die Türen der Bahn schließen sich zwischen uns und trennen uns. Ich setz mich auf den hintersten Platz und schau ihn durchs Fenster an. Die Bahn fährt los, wir sehen uns hinterher. Er lacht mich irre schön an. Ich versuch, genauso schön zurück zu lachen (als ob ich das könnte). Wir schauen uns noch lange nach, bis er nur noch ein winziger Punkt ist.

Ich lauf von der Straßenbahn heim. Ach was, ich fliege praktisch. Ich bin so richtig happy. Natürlich wär’s auch schön gewesen, wenn der Abend zusammen geendet wäre. Aber er geht sowas wohl einfach langsamer an. Er hat das einigermaßen deutlich kommuniziert und daher geht das vollkommen in Ordnung. Irgendwie hab ich das Gefühl, auf ihn lohnt es sich zu warten. Aaaah… ich sollte mir echt nicht schon wieder so nen Quatsch einreden! Doch ich kann es auch nicht leugnen: Ich fürchte, ich bin ein wenig verschossen. Nach einem zweiten Date! Total dämlich halt! Man sollte meinen, ich wäre abgebrühter. Ich versuche, mich zu bremsen. Aber naja, ihr wisst ja wie das ist, das kann man nicht steuern. Ich denke an ihn und an die Szenen zwischen Ampel und Bahn. Und muss sofort total dämlich grinsen.

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28 Gedanken zu “Tinder-Date Nr. 43, Teil 2: Eine rote Ampel und ein bisschen Kitsch

  1. Genau so soll es sein!
    Hat sich bei mir immer wieder bewahrheitet, wenn nicht spätestens nach dem zweiten Date so richtig die Funken sprühen, kommen die auch nicht mehr.

    Und das beste ist eigentlich, er scheint auch verschossen zu sein! 🙂 Wünsch dir Glück!

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  2. Wie schööön! Ich freu mich sehr für Dich! Da sieht man mal wieder, egal wie viele Dates man schon hatte und wie viel Erfahrung man hat, man stumpft nicht ab bzw. nur bei den uninteressanten Fällen. Wenn einem jemand Besonderes begegnet, weiss man es einfach und die Schmetterlinge sind einfach da. Ich finde es auch nicht verkehrt, es langsamer angehen zu lassen, dann wird das erste Mal umso schöner. Lass es einfach auf Dich zukommen und genieße die schönen Gefühle. Wie Du schon sagst, steuern kann man es eh nicht, freue Dich an dem was „jetzt“ ist, alles andere wird sich zeigen.

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  3. Crazy 😉 ich bin gespannt!

    Weißt du, was ich mich beim Lesen manchmal frage: Du beschreibst deine Stadt immer als eher klein, triffst du bei aktuellen Dates eigentlich manchmal frühere Tindereroberungen so zufällig auf der Straße? Es sind ja ein paar zusammen gekommen 😉 Ist mir (in einer vermutlich weit größeren Stadt) jdnfalls schon passiert 😀

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    • Im Vergleich zu Berlin ist meine Stadt natürlich winzig. Für mich als Landei ist sie trotzdem riesengroß. Aber um auf deine Frage zu antworten: Das ist mir tatsächlich noch nicht oft passiert. Während einem Date eigentlich erst ein einziges Mal. Das war als ich beim ersten Date mit Nr. 27 zufällig Nr. 1 getroffen hab. War aber in dem Fall total stressfrei, da ich mit Nr. 1 ja befreundet bin. Ansonsten hab ich ab und zu mal jemanden in der Stadt gesehen, aber das waren auch nie doofe Begegnungen. Da überrascht es mich wirklich, dass das in Berlin sogar passieren kann!

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