Statusmitteilung

Tinder-Date Nr. 33, Teil 2: Eine Niederlage und ein Plädoyer fürs Knutschen in der Bahn

Wiedersehen mit Nr. 33: Ganz spontan nachmittags auf einen Kaffee. Ohne die Ex diesmal, zumindest fast. Ich ziehe ihn noch ein bisschen damit auf, dass er den miesesten Date-Einstieg aller Zeiten hingelegt hat. Ihm ist es inzwischen total peinlich. Macht nix, wir lachen die Ex gemeinsam einfach weg. Er erklärt mir, dass er von Anfang an ehrlich sein wollte und außerdem wirklich wahnsinnig aufgeregt war. Erstes Tinder-Date und so. Das verstehe ich. Auch diesmal haben wir wieder eine sehr entspannte und angenehme Zeit miteinander. Wir sitzen wieder viel länger als geplant, ich muss danach zum Supermarkt rennen, um noch einkaufen zu können. Das dritte Date wurde dann ein paar Tage später ausgemacht: Ein Fußball-Date im Stadion…

Wir stehen auf den selben Verein, das hatten wir gleich festgestellt. Für diesen stand an jenem Wochenende ein besonders wichtiges Lokal-Derby an. Schon längst ausverkauft natürlich, doch ich kam durch einen Zufall an zwei Tickets. Wollte ursprünglich einen Kumpel mitnehmen, doch der ist eigentlich Bayern-Fan, hat das also überhaupt nicht verdient. Deswegen kam mir der Gedanke, mit Nr. 33 zusammen zu gehen. Er war hellauf begeistert, verschob gleich einen anderen Termin dafür. Das Spiel selbst war absolut grauenhaft, eine hochblamable Niederlage gegen den Erzrivalen. Wir hatten trotzdem Spaß, tranken Bier und machten uns über die gegnerischen Fans lustig. Nach dem Spiel zogen wir natürlich noch weiter. Wollten eigentlich bloß noch auf ein Bier in die Stadt, sind aber ziemlich versackt. Daraus wurden dann etliche Bier und mehrere Stunden Quatschen an der Bar.

Wir unterhielten uns wieder sehr locker und offen. Sprachen auch darüber, was das jetzt sein könnte mit uns. Er sagte mir, dass er begeistert von mir ist und mega gerne Zeit mit mir verbringt. Aber dass eben die Geschichte mit der Ex noch sehr präsent ist. Deswegen wollte er von Anfang an mit offenen Karten „spielen“. Er ist nämlich kein Spieler, er will mir nicht das erzählen, was ich hören will, um mich rumzubekommen. Er genießt aktuell einfach, Zeit mit mir zu verbringen, ist froh mich getroffen zu haben. Aber er kann für sich selbst nicht abschätzen, wie lange er noch an der Geschichte mit der Ex knabbern wird. Ich finde seine ehrliche Art super. Ich sage ihm (und meine es genau so), dass ich das alles sehr gut verstehen kann. Dass ich seine Vorgehensweise hammermäßig finde. Dass ich mit etwas offenem oder lockerem absolut klar komme, solange er ehrlich zu mir ist und mir nichts vormacht. Wir sind uns also einig: Wir treffen uns weiterhin, ohne Stress und Verpflichtungen. Wir sagen es dem anderen, wenn das für einen nicht mehr passen sollte. Und ansonsten haben wir einfach eine gute Zeit miteinander.

Nachdem wir schon seit knapp 8 Stunden unterwegs sind, machen wir uns dann einigermaßen betrunken auf den Heimweg. Irgendwann sitzen wir wild knutschend in der Bahn. Und was soll ich sagen… es ist irre schön. Es ist unbeschwert, ohne Druck, einfach herrlich. Wir sitzen also an einem Sonntag um 20 Uhr ziemlich angetrunken, kichernd und knutschend in der letzten Reihe der Bahn und kommen uns mit einem Schlag vor wie Teenies. Wir philosophieren ein bisschen:

Warum hört man denn eigentlich jemals auf mit dem Knutschen in der Ubahn? Warum macht man das nicht mehr im Lauf einer Beziehung oder wenn man älter wird? Dabei ist das doch sowas von toll! Warum wird man irgendwann so routiniert und langweilig?

Diese Unbeschwertheit und Leichtigkeit der ersten Tage und Wochen, die geht so schnell verloren. Natürlich, so kann es eben nicht immer sein. Aber ist trotzdem schade, dass die meisten es nicht schaffen, sich ein bisschen mehr davon mit in den Alltag zu retten. Und ab und zu einfach mal in der Bahn zu knutschen. Obwohl das peinlich und unangebracht und voll daneben ist. Ist halt doch auch einfach verdammt aufregend.

Wenig überraschend: Nr. 33 kommt noch mit zu mir und wir verbringen die Nacht miteinander. Eine tolle Nacht. Wir sind ziemlich platt, das war wirklich viel Bier und ein langer Tag. Wir knutschen, wir vögeln, wir kuscheln… schlafen beide kurz ein, wachen auf und vögeln weiter. Es ist phantastisch. Und das Beste daran: Es geht mir auch am nächsten Tag (und die Tage danach) noch super damit. Nach den ganzen Grübeleien, die mich bei Nr. 27 so fertig gemacht haben, ist das herrlich entspannt. Ich muss nicht grübeln, was das werden kann oder was er will, denn ich weiß es. Und ich weiß vor allem, dass er aufrichtig ist dabei. Dass er mich nicht belügt, um ein Ziel zu erreichen. Und das ist grade einfach perfekt.

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8 Gedanken zu “Tinder-Date Nr. 33, Teil 2: Eine Niederlage und ein Plädoyer fürs Knutschen in der Bahn

    • Blogcrawler schreibt:

      Ich freue mich, dass es wieder einen aussichtsreichen Kandidaten für „mehr“ gibt. Was das Thema Knutschen angeht, glaube ich an einen gewissen Verlust der Leichtigkeit zugunsten eines zunehmenden Sicherheitsgefühls. Wenn beide Seiten nicht in Besitzdenken in Bezug auf die jeweils andere Person verfallen, es also nie zur Selbstverständlichkeit wird, mit der anderen Person zu verkehren, dann kann man sich diese Aufgeregtheit und das Bauchkribbeln auch in einer langen Beziehung erhalten. Das geht meiner Meinung nach selbst dann wenn man gemeinsam Kinder hat.

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      • Prinzipiell ist eine gewisse Sicherheit und Geborgenheit ja auch was total schönes. Aber ich habe oft den Eindruck, dass ein Großteil der Paare es eben nicht schafft, das Bauchkribbeln dabei zumindest im Ansatz zu erhalten. Aber schön zu hören, dass es auch anders gehen kann. 😀

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